28.2. Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms

Der Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms ("installer rescue mode") ist eine minimale Linux-Umgebung, die von der Red Hat Enterprise Linux 7-DVD oder anderen Bootmedien gestartet werden kann. Der Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms enthält Befehlszeilenprogramme, mit deren Hilfe Sie eine Vielzahl verschiedener Probleme lösen können. Sie erreichen den Wiederherstellungsmodus über das Untermenü Troubleshooting im Bootmenü des Installationsprogramms. In diesem Modus können Sie Dateisysteme schreibgeschützt einhängen oder auch gar nicht einhängen, Treiber auf einem Treiberdatenträger hinzufügen oder ausschließen, Systempakete installieren oder aktualisieren und Partitionen verwalten.

Anmerkung

Verwechseln Sie den Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms nicht mit dem Rettungsmodus (entspricht dem Einzelbenutzermodus) und dem Notfallmodus, die als Teil des systemd-Systems und Servicemanagers bereitgestellt werden. Weitere Informationen über diese Modi finden Sie im Red Hat Enterprise Linux 7 Handbuch für Systemadministratoren.
Um in den Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms zu booten, müssen Sie das System von einem der folgenden Datenträger booten können:
  • von einer Boot-CD-ROM oder -DVD
  • von einem anderen Installationsbootmedium, z. B. einem USB-Stick
  • von der Red Hat Enterprise Linux-Installations-DVD
Detaillierte Informationen finden Sie in den jeweiligen Kapiteln:

Prozedur 28.2. Booten in den Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms

  1. Booten Sie das System vom Installations- oder Bootmedium.
  2. Wählen Sie entweder im Bootmenü die Option Rescue a Red Hat Enterprise Linux-System aus dem Untermenü Troubleshooting, oder fügen Sie die Option inst.rescue zur Bootbefehlszeile hinzu. Zur Bootbefehlszeile gelangen Sie durch Drücken der Tab-Taste auf BIOS-basierten Systemen oder der e-Taste auf UEFI-basierten Systemen.
  3. Falls Ihr System den Treiber eines Drittanbieters benötigt, der auf einem Treiberdatenträger bereitgestellt wird, dann fügen Sie die Option inst.dd=driver_name zur Bootbefehlszeile hinzu:
    inst.rescue inst.dd=driver_name
    Weitere Informationen über die Verwendung eines Treiberdatenträgers beim Booten finden Sie für AMD64- und Intel 64-Systeme in Abschnitt 4.3.3, »Manuelle Treiberaktualisierung« oder für IBM Power Systems-Server in Abschnitt 9.3.3, »Manuelle Treiberaktualisierung«.
  4. Falls ein Treiber, der in der Red Hat Enterprise Linux 7-Distribution enthalten ist, das System am Hochfahren hindert, fügen Sie die Option modprobe.blacklist= zur Bootbefehlszeile hinzu:
    inst.rescue modprobe.blacklist=driver_name
    Weitere Informationen über das Ausschließen von Treibern finden Sie in Abschnitt 4.3.4, »Ausschließen eines Treibers«.
  5. Wenn Sie fertig sind, drücken Sie die Eingabetaste (BIOS-basierte Systeme) oder Strg+X (UEFI-basierte Systeme), um mit der geänderten Option zu booten. Warten Sie, bis die folgende Meldung angezeigt wird:
    Der Wiederherstellungs-Modus wird nun versuchen, Ihre Linux-Installation aufzuspüren und sie unter dem Verzeichnis /mnt/sysimage einzuhängen. Sie können dann die erforderlichen Änderungen an Ihrem System vornehmen. Wenn Sie mit diesem Schritt fortfahren möchten, klicken Sie auf »Weiter«. Wenn Sie »Nur-Lesen« wählen, können Sie Ihr Filesystem auch nur mit Leseberechtigung einhängen. Falls dieser Vorgang aus irgendeinem Grund fehlschlägt, können Sie »Überspringen« wählen, der Schritt wird übersprungen und Sie gelangen direkt zu einer Eingabeaufforderung.
    
    Wenn Sie Weiter wählen, wird versucht, Ihr Dateisystem unter dem Verzeichnis /mnt/sysimage/ einzuhängen. Falls eine Partition nicht einhängt werden kann, werden Sie darüber informiert. Wenn Sie Nur-Lesen auswählen, wird versucht, das Dateisystem im Verzeichnis /mnt/sysimage/ im schreibgeschützten Modus einzuhängen. Wenn Sie Überspringen wählen, wird Ihr Dateisystem nicht eingehängt. Wählen Sie Überspringen, wenn Sie denken, dass Ihr Dateisystem defekt ist.
  6. Sobald Ihr System im Wiederherstellungsmodus ist, erscheint eine Eingabeaufforderung auf den virtuellen Konsolen 1 und 2 (verwenden Sie die Tastenkombination Strg+Alt+F1, um auf die virtuelle Konsole 1 zuzugreifen, und Strg+Alt+F2 für die virtuelle Konsole 2):
    sh-4.2#
Auch wenn Ihr Dateisystem eingehängt ist, ist die standardmäßig eingehängte Root-Partition im Wiederherstellungsmodus eine temporäre Root-Partition und nicht die Root-Partition des Dateisystems, die im normalen Benutzermodus (multi-user.target oder graphical.target) verwendet wird. Wenn Sie das Einhängen Ihres Dateisystems ausgewählt haben und dies erfolgreich war, können Sie die Root-Partition der Wiederherstellungsmodus-Umgebung in die Root-Partition Ihres Dateisystems ändern, indem Sie folgenden Befehl ausführen:
sh-4.2# chroot /mnt/sysimage
Dies kann hilfreich sein, wenn Sie Befehle wie rpm eingeben, da hierbei Ihre Root-Partition als / eingehängt sein muss. Wenn Sie die chroot-Umgebung verlassen möchten, geben Sie den Befehl exit ein, um damit zur Eingabeaufforderung zurückzukehren.
Wenn Sie Überspringen gewählt haben, können Sie trotzdem versuchen, manuell eine Partition oder einen LVM2 logischen Datenträger im Wiederherstellungsmodus einzuhängen, indem Sie ein Verzeichnis wie /directory/ erstellen und den folgenden Befehl eingeben:
sh-4.2# mount -t xfs /dev/mapper/VolGroup00-LogVol02 /directory
Im oben genannten Befehl handelt es sich bei /directory/ um ein Verzeichnis, das Sie erstellt haben, und bei /dev/mapper/VolGroup00-LogVol02 um den logischen LVM2-Datenträger, den Sie einhängen möchten. Wenn die Partition nicht vom Typ XFS ist, ersetzen Sie die Zeichenkette xfs durch den korrekten Partitionstyp (z. B. ext4).
Wenn Sie nicht die Namen aller physischen Partitionen kennen, geben Sie den folgenden Befehl ein, um diese aufzulisten:
sh-4.2# fdisk -l
Wenn Sie nicht die Namen aller LVM2-Datenträgergruppen, physischen Datenträger oder logischen Datenträger kennen, verwenden Sie die Befehle pvdisplay, vgdisplay bzw. lvdisplay.
An der Eingabeaufforderung können zahlreiche nützliche Befehle aufgerufen werden, darunter:
  • ssh, scp und ping, falls das Netzwerk aktiviert wurde
  • dump und restore für Benutzer mit Bandgeräten
  • parted und fdisk für die Verwaltung von Partitionen
  • rpm für das Installieren oder Aktualisieren von Software
  • vi zum Bearbeiten von Textdateien

28.2.1. Erstellen eines sosreport

Das sosreport-Befehlszeilenprogramm sammelt Konfigurations- und Diagnoseinformationen wie z. B. die laufende Kernel-Version, geladene Module und System- und Dienstkonfigurationsdateien vom System. Die Ausgabe wird in einem tar-Archiv im Verzeichnis /var/tmp/ gespeichert.
Das sosreport-Dienstprogramm ist hilfreich zur Analyse von Systemfehlern und kann die Suche und Bereinigung dieser Fehler erleichtern. Das folgende Verfahren beschreibt die Erstellung eines sosreport-Berichts im Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms.

Prozedur 28.3. Verwendung von sosreport im Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms

  1. Folgen Sie den Schritten in Prozedur 28.2, »Booten in den Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms«, um in den Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms zu booten. Vergewissern Sie sich, dass Sie das installierte System mit Lese- und Schreibberechtigung einhängen.
  2. Ändern Sie das Root-Verzeichnis zum /mnt/sysimage/-Verzeichnis:
    sh-4.2# chroot /mnt/sysimage/
  3. Führen Sie sosreport aus, um ein Archiv mit Konfigurations- und Diagnoseinformationen des Systems zu erstellen:
    sh-4.2# sosreport

    Wichtig

    sosreport fordert Sie zur Eingabe Ihres Namens und Ihrer Ticketnummer auf. Eine Ticketnummer erhalten Sie, wenn Sie sich mit dem Red Hat Support Service in Verbindung setzen und ein neues Supportticket einreichen. Verwenden Sie nur Buchstaben und Ziffern; Leerzeichen und die folgenden Sonderzeichen sind unzulässig und könnten den Bericht unbrauchbar machen:
    # % & { } \ < > > * ? / $ ~ ' " : @ + ` | =
  4. Optional. Wenn Sie das generierte Archiv auf einen anderen Speicherort im Netzwerk übertragen möchten, muss eine Netzwerkschnittstelle konfiguriert sein. Falls Sie eine dynamische IP-Adressierung verwenden, sind keine weiteren Schritte erforderlich. Falls Sie jedoch eine statische Adressierung verwenden, führen Sie den folgenden Befehl aus, um einer Netzwerkschnittstelle (z. B. dev eth0) eine IP-Adresse (z. B. 10.13.153.64/23) zuzuweisen:
    bash-4.2# ip addr add 10.13.153.64/23 dev eth0
    Im Red Hat Enterprise Linux 7 Netzwerkhandbuch finden Sie weitere Informationen über die statische Adressierung.
  5. Verlassen Sie die chroot-Umgebung:
    sh-4.2# exit
  6. Speichern Sie das generierte Archiv an einem neuen Speicherort, auf den einfach zugegriffen werden kann:
    sh-4.2# cp /mnt/sysimage/var/tmp/sosreport new_location
    Verwenden Sie das scp-Dienstprogramm, um das Archiv über das Netzwerk zu übertragen:
    sh-4.2# scp /mnt/sysimage/var/tmp/sosreport username@hostname:sosreport
In den folgenden Quellen finden Sie weitere Informationen:

28.2.2. Neuinstallieren des Bootloaders

Unter Umständen ist es möglich, dass der GRUB2-Bootloader versehentlich gelöscht, beschädigt oder von anderen Betriebssystemen überschrieben wird. Die folgenden Schritte erläutern detailliert, wie GRUB2 im Master Boot Record neu installiert wird:

Prozedur 28.4. Neuinstallation des GRUB2-Bootloaders

  1. Folgen Sie den Anweisungen in Prozedur 28.2, »Booten in den Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms«, um in den Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms zu booten. Vergewissern Sie sich, dass Sie das installierte System mit Lese- und Schreibberechtigung einhängen.
  2. Ändern Sie die Root-Partition:
    sh-4.2# chroot /mnt/sysimage/
  3. Verwenden Sie den folgenden Befehl, um den GRUB2-Bootloader neu zu installieren, wobei install_device das Bootgerät ist (in der Regel /dev/sda):
    sh-4.2# /sbin/grub2-install install_device
  4. Starten Sie das System neu.

28.2.3. Verwenden von RPM zum Hinzufügen, Entfernen oder Ersetzen eines Treibers

Ein fehlender oder fehlerhafter Treiber kann beim Bootvorgang eines Systems Probleme verursachen. Der Wiederherstellungsmodus bietet eine Umgebung, in der Sie einen Treiber hinzufügen, entfernen oder ersetzen können, selbst wenn das System nicht bootet. Wir empfehlen die Verwendung des RPM-Paketmanagers wann immer möglich, um fehlerhafte Treiber zu entfernen oder aktualisierte oder fehlende Treiber hinzuzufügen.

Anmerkung

Bei der Installation eines Treibers von einem Treiberdatenträger aktualisiert der Treiberdatenträger alle initramfs-Images auf dem System, um diesen Treiber zu verwenden. Hindert ein Problem mit einem Treiber ein System am Booten, so können Sie sich nicht auf das Booten des Systems von einem anderen initramfs-Image verlassen.

Prozedur 28.5. Verwenden von RPM zum Entfernen eines Treibers

  1. Booten Sie das System in den Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms. Folgen Sie den Anweisungen in Prozedur 28.2, »Booten in den Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms«. Vergewissern Sie sich, dass Sie das installierte System mit Lese- und Schreibberechtigung einhängen.
  2. Ändern Sie das Root-Verzeichnis zu /mnt/sysimage/:
    sh-4.2# chroot /mnt/sysimage/
  3. Verwenden Sie den Befehl rpm -e, um das Treiberpaket zu entfernen. Um beispielsweise das Treiberpaket xorg-x11-drv-wacom zu entfernen, führen Sie Folgendes aus:
    sh-4.2# rpm -e xorg-x11-drv-wacom
  4. Verlassen Sie die chroot-Umgebung:
    sh-4.2# exit
Falls Sie aus irgendeinem Grund einen fehlerhaften Treiber nicht entfernen können, dann können Sie den Treiber stattdessen auf eine Ausschlussliste (Blacklist) setzen, so dass der Treiber zum Bootzeitpunkt nicht geladen wird. Siehe Abschnitt 4.3.4, »Ausschließen eines Treibers« und Kapitel 20, Bootoptionen für Informationen über das Ausschließen von Treibern.
Die Installation eines Treibers ist ein ähnlicher Vorgang, das RPM-Paket muss jedoch auf dem System verfügbar sein.

Prozedur 28.6. Installieren eines Treibers von einem RPM-Paket

  1. Booten Sie das System in den Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms. Folgen Sie den Anweisungen in Prozedur 28.2, »Booten in den Wiederherstellungsmodus des Installationsprogramms«. Hängen Sie das installierte System nicht schreibgeschützt ein.
  2. Machen Sie das RPM-Paket verfügbar, das den Treiber enthält. Hängen Sie z. B. eine CD oder ein USB-Stick ein und kopieren Sie das RPM-Paket an einen Speicherort Ihrer Wahl unter /mnt/sysimage/, zum Beispiel: /mnt/sysimage/root/drivers/
  3. Ändern Sie das Root-Verzeichnis zu /mnt/sysimage/:
    sh-4.2# chroot /mnt/sysimage/
  4. Verwenden Sie den Befehl rpm -ivh zur Installation des Treiberpakets. Um etwa das Treiberpaket xorg-x11-drv-wacom von /root/drivers/ zu installieren, führen Sie Folgendes aus:
    sh-4.2# rpm -­ivh /root/drivers/xorg-x11-drv-wacom-0.23.0-6.el7.x86_64.rpm

    Anmerkung

    Das Verzeichnis /root/drivers/ in dieser chroot-Umgebung entspricht dem Verzeichnis /mnt/sysimage/root/drivers/ in der ursprünglichen Wiederherstellungsumgebung.
  5. Verlassen Sie die chroot-Umgebung:
    sh-4.2# exit
Wenn Sie mit der Entfernung und Installation der Treiber fertig sind, führen Sie einen Neustart des Systems durch.