2.3. Vorbereiten der Installationsquelle

Wie in Kapitel 1, Herunterladen von Red Hat Enterprise Linux erläutert, gibt es zwei grundlegende Arten von Medien für Red Hat Enterprise Linux: ein minimales Bootimage (boot.iso) und ein vollständiges Installationsimage (auch Binär-DVD genannt). Wenn Sie die Binär-DVD heruntergeladen haben und eine Boot-DVD-ROM oder einen Boot-USB-Stick daraus erstellt haben, können Sie sofort mit der Installation fortfahren, da dieses Image alles enthält, was Sie zur Installation des Systems benötigen.
Falls Sie ein minimales Bootimage verwenden, müssen Sie zusätzlich eine Quelle für die Installation konfigurieren. Das minimale Bootimage enthält lediglich das Installationsprogramm und Werkzeuge zum Booten des Systems und zum Starten der Installation. Es enthält jedoch keine Softwarepakete, die auf Ihrem System installiert werden müssen.
Das vollständige ISO-Image der Installations-DVD kann als Quelle für die Installation verwendet werden. Falls Ihr System weitere Software erfordert, die nicht von Red Hat bereitgestellt wird, sollten Sie zusätzliche Repositorys konfigurieren und diese Pakete nach Abschluss der Installation installieren. Informationen über die Konfiguration zusätzlicher Yum-Repositorys auf einem installierten System finden Sie im Red Hat Enterprise Linux Handbuch für Systemadministratoren.
Für die Installationsquelle gibt es folgende Möglichkeiten:
  • DVD: Sie können das DVD-ISO-Image auf eine DVD brennen und das Installationsprogramm dazu anweisen, Pakete von dieser DVD zu installieren.
  • Festplatte: Sie können das DVD-ISO-Image auf einer Festplatte speichern und von dort die Pakete installieren.
  • Netzwerk: Sie können das DVD-ISO-Image oder die Installationsstruktur (die extrahierten Inhalte des ISO-Images) auf einen Speicherort im Netzwerk kopieren, auf den das Installationssystem Zugriff hat. Die Installation kann dann über das Netzwerk erfolgen unter Verwendung der folgenden Protokolle:
    • NFS: Das DVD-ISO-Image wird auf einer Network File System (NFS)-Freigabe abgelegt.
    • HTTPS, HTTP oder FTP: Die Installationsstruktur wird auf einem Speicherort im Netzwerk abgelegt, der über HTTP, HTTPS oder FTP erreichbar ist.
Wenn Sie die Installation von einem minimalen Bootmedium starten, müssen Sie immer eine zusätzliche Installationsquelle konfigurieren. Wenn die Installation von der vollständigen Binär-DVD gestartet wird, ist es zwar auch möglich, eine andere Installationsquelle anzugeben, es ist jedoch unnötig - das DVD-ISO-Image enthält alle Pakete, die zur Installation des Systems nötig sind, und das Installationsprogramm konfiguriert automatisch die Binär-DVD als Quelle.
Sie können die Installationsquelle auf mehrere Arten angeben:

2.3.1. Installationsquelle auf einer DVD

Sie können das DVD-ISO-Image auf eine DVD brennen und das Installationsprogramm dazu anweisen, Pakete von dieser DVD zu installieren, während die Installation von einem anderen Laufwerk gestartet wird (z. B. von einem minimalen Boot-ISO auf einem USB-Stick). Dieses Verfahren ist identisch mit dem Verfahren zur Erstellung von bootfähigen optischen Datenträgern. Siehe Abschnitt 2.1, »Erstellen einer Installations-CD oder -DVD« für weitere Informationen.
Wenn Sie eine DVD als Installationsquelle verwenden, vergewissern Sie sich, dass die DVD eingelegt ist, wenn die Installation beginnt. Das Anaconda-Installationsprogramm kann keine Datenträger erkennen, die erst nach Beginn der Installation eingelegt werden.

2.3.2. Installationsquelle auf einer Festplatte

Festplatteninstallationen verwenden ein ISO-Image der binären Installations-DVD. Um eine Festplatte als Installationsquelle zu verwenden, übertragen Sie das DVD-ISO-Image auf die Festplatte und schließen Sie diese an das zu installierende System an. Starten Sie anschließend das Anaconda-Installationsprogramm.
Sie können jede Art von Festplattenspeicher verwenden, auf die das Installationsprogramm zugreifen kann, einschließlich USB-Sticks. Das ISO-Image kann sich in einem beliebigen Verzeichnis auf der Festplatte befinden und kann einen beliebigen Namen tragen. Falls sich das ISO-Image jedoch nicht in dem Hauptverzeichnis der Festplatte befindet, oder falls sich im Hauptverzeichnis mehrere ISO-Images befinden, dann müssen Sie das zu verwendende ISO-Image explizit angeben. Sie können dies entweder mithilfe einer Bootoption, eines Eintrags in einer Kickstart-Datei oder manuell auf dem Bildschirm Installationsquelle während einer grafischen Installation vornehmen.
Es gibt jedoch eine Einschränkung bei der Verwendung einer Festplatte als Installationsquelle: Das DVD-ISO-Image auf der Festplatte muss sich auf einer Partition mit einem Dateisystem befinden, das von Anaconda eingehängt werden kann. Diese Dateisysteme umfassen xfs, ext2, ext3, ext4 und vfat (FAT32). Beachten Sie, dass auf Microsoft Windows-Systemen standardmäßig NTFS zur Formatierung von Dateisystemen verwendet wird; das exFAT-Dateisystem ist ebenfalls verfügbar. Keines der beiden Dateisysteme kann jedoch während der Installation eingehängt werden. Falls Sie auf Microsoft Windows eine Festplatte oder einen USB-Stick erstellen, die als Installationsquelle dienen sollen, dann müssen Sie das Laufwerk stattdessen als FAT32 formatieren.

Wichtig

Das FAT32-Dateisystem unterstützt keine Dateien, die größer als 4 GiB (4,29 GB) sind. Red Hat Enterprise Linux 7-Installationsmedien können jedoch größer sein, weshalb Sie diese nicht auf ein Laufwerk mit diesem Dateisystem kopieren können.
Wenn Sie eine Festplatte oder einen USB-Stick als Installationsquelle verwenden, vergewissern Sie sich, dass diese angeschlossen sind, wenn die Installation beginnt. Das Installationsprogramm kann keine Datenträger erkennen, die erst nach Beginn der Installation angeschlossen werden.

2.3.3. Installationsquelle auf einem Netzwerk

Wenn Sie die Installationsquelle im Netzwerk bereitstellen, hat das den Vorteil, dass Sie mehrere Systeme von einer einzigen Quelle installieren können, ohne dafür jeweils physische Datenträger anschließen zu müssen. Netzwerkbasierte Installationen sind besonders hilfreich, wenn sie zusammen mit einem Preboot Execution Environment (PXE) Server eingesetzt werden, so dass Sie die Installation ebenfalls vom Netzwerk starten können. Bei dieser Herangehensweise benötigen Sie keinerlei physische Datenträger, was eine einfache Bereitstellung von Red Hat Enterprise Linux auf mehreren Systemen gleichzeitig ermöglicht. Informationen über das Einrichten eines PXE-Servers finden Sie in Kapitel 21, Vorbereiten einer Netzwerkinstallation.

2.3.3.1. Installationsquelle auf einem NFS-Server

Die NFS-Installationsmethode verwendet ein ISO-Image der Red Hat Enterprise Linux-Binär-DVD, das in dem exportierten Verzeichnis eines Network File System-Servers abgelegt ist. Das Installationssystem muss auf diesen Server Zugriff haben. Um eine NFS-basierte Installation durchführen zu können, benötigen Sie ein anderes laufendes System, das als NFS-Host fungiert.
Weitere Informationen über NFS-Server finden Sie im Red Hat Enterprise Linux 7 Handbuch zur Speicherverwaltung.

Anmerkung

Die folgenden Schritte dienen nur als grober Leitfaden für dieses Verfahren. Die genauen Schritte zum Einrichten eines NFS-Servers unterscheiden sich je nach Systemarchitektur, Betriebssystem, Paketmanager, Dienstmanager und anderen Faktoren. Auf Red Hat Enterprise Linux 7-Systemen können die angegebenen Schritte jedoch genau befolgt werden. Anleitungen zur Erstellung von Installationsquellen auf früheren Releases von Red Hat Enterprise Linux finden Sie in den entsprechendem Installationshandbüchern für diese Releases.

Prozedur 2.3. Vorbereitung einer NFS-basierten Installation

  1. Installieren Sie das Paket nfs-utils. Führen Sie den folgenden Befehl aus:
    # yum install nfs-utils
  2. Öffnen Sie die Datei /etc/exports mit einem Texteditor wie z. B. Vim oder Gedit. Beachten Sie, dass diese Datei gegebenenfalls noch nicht existiert, da sie bei der Installation des nfs-utils-Pakets nicht automatisch angelegt wird. Erstellen Sie die Datei in diesem Fall neu.
  3. Fügen Sie zur exports-Datei eine Zeile mit der folgenden Syntax hinzu:
    /path/to/exported/directory host(options)
    
    Ersetzen Sie /path/to/exported/directory durch den vollständigen Pfad zu dem Verzeichnis, das Sie exportieren möchten, host durch eine IP-Adresse, von der auf das exportierte Verzeichnis zugegriffen werden darf, und options durch die zu verwendenden Optionen.
    Falls Sie Zugriff auf das exportierte Verzeichnis von allen IP-Adressen zulassen möchten, verwenden Sie das *-Zeichen anstelle von host. Eine Liste der verfügbaren Optionen für options finden Sie auf der man-Seite für nfs(5). In den meisten Fällen ist die Option ro, die das Verzeichnis schreibgeschützt exportiert, ausreichend.
    Nachfolgend sehen Sie eine sehr einfache Konfiguration, die das Verzeichnis /mnt/nfs für alle Clients schreibgeschützt zur Verfügung stellt:
    /mnt/nfs *(ro)
    
  4. Sobald Sie mit der Konfiguration fertig sind, speichern Sie die Datei /etc/exports und beenden Sie den Texteditor.
  5. Übertragen Sie das DVD-ISO-Image auf das per NFS exportierte Verzeichnis, das Sie in der hosts-Datei angegeben haben. Führen Sie dazu folgenden Befehl aus:
    $ mv /path/to/image.iso /nfs/exported/directory/
    Ersetzen Sie /path/to/image.iso durch den Pfad zum DVD-ISO-Image und /nfs/exported/directory/ durch den Pfad zum exportierten Verzeichnis, das Sie in der Konfigurationsdatei /etc/exports angegeben haben.
  6. Starten Sie den nfs-Dienst. Führen Sie den folgenden Befehl als root aus:
    # systemctl start nfs.service
    Falls der Dienst bereits lief, während Sie die Konfigurationsdatei /etc/exports bearbeitet haben, dann starten Sie den Dienst neu, um sicherzugehen, dass die bearbeitete Konfigurationsdatei geladen ist. Führen Sie den folgenden Befehl als root aus, um den Dienst neu zu starten:
    # systemctl restart nfs.service
Nachdem Sie die Schritte oben durchgeführt haben, steht das DVD-ISO-Image nun über NFS zur Verfügung und ist bereit zur Verwendung als Installationsquelle.
Wenn Sie die Installationsquelle vor oder während der Installation konfigurieren, geben Sie das NFS-Protokoll und den Hostnamen des Servers an. Die Angabe der IP-Adresse des Servers funktioniert für NFS-Freigaben nicht. Wenn Sie die Installationsstruktur in ein Unterverzeichnis der Freigabe kopiert haben, müssen Sie das Verzeichnis ebenfalls angeben. Falls Sie die Installationsstruktur beispielsweise nach /mnt/nfs/rhel7-install/ auf dem Server kopiert haben und der Hostname des Servers myserver.example.com lautet, dann müssen Sie nfs:myserver.example.com:/rhel7-install als Installationsquelle angeben.

2.3.3.2. Installationsquelle auf einem HTTPS-, HTTP- oder FTP-Server

Diese Installationsmethode ermöglicht ebenfalls eine netzwerkbasierte Installation. Im Gegensatz zur oben beschriebenen NFS-Methode wird hierbei jedoch eine Installationsstruktur verwendet, also ein Verzeichnis mit extrahierten Inhalten des ISO-Images der Binär-DVD und einer gültigen .treeinfo-Datei. Auf die Installationsquelle wird mittels HTTPS, HTTP oder FTP zugegriffen.
Weitere Informationen über HTTP- und FTP-Server finden Sie im Red Hat Enterprise Linux 7 Handbuch für Systemadministratoren.

Anmerkung

Die folgenden Schritte dienen nur als grober Leitfaden für dieses Verfahren. Die genauen Schritte zum Einrichten eines FTP-Servers unterscheiden sich je nach Systemarchitektur, Betriebssystem, Paketmanager, Dienstmanager und anderen Faktoren. Auf Red Hat Enterprise Linux 7-Systemen können die angegebenen Schritte jedoch genau befolgt werden. Anleitungen zur Erstellung von Installationsquellen auf früheren Releases von Red Hat Enterprise Linux finden Sie in den entsprechendem Installationshandbüchern für diese Releases.

Prozedur 2.4. Vorbereitung einer FTP-basierten Installation

  1. Installieren Sie das vsftpd-Paket:
    # yum install vsftpd
  2. Optional können Sie die Konfigurationsdatei /etc/vsftpd/vsftpd.conf in einem Texteditor wie z. B. Vim oder Gedit öffnen und gewünschte Änderungen an den Optionen vornehmen. Verfügbare Optionen finden Sie im entsprechenden Kapitel im Red Hat Enterprise Linux 7 Referenzhandbuch für Systemadministratoren und auf der man-Seite für vsftpd.conf(5).
    Die folgenden Schritte gehen jedoch davon aus, dass Sie die Standardoptionen verwenden. Insbesondere muss anonymen Benutzern das Lesen von Dateien erlaubt sein, wenn Sie den restlichen Schritten folgen möchten.
  3. Kopieren Sie das vollständige ISO-Image der Red Hat Enterprise Linux-Binär-DVD auf den FTP-Server.
  4. Hängen Sie das ISO-Image mit dem mount-Befehl ein:
    # mount -o loop,ro -t iso9660 /path/to/image.iso /mnt/iso
    Ersetzen Sie dabei /path/to/image.iso durch den Pfad zum ISO-Image.
  5. Extrahieren Sie alle Dateien vom eingehängten Image und verlegen Sie diese in das /var/ftp/-Verzeichnis:
    # cp -r /mnt/iso/ /var/ftp/
  6. Starten Sie den vsftpd-Dienst:
    # systemctl start vsftpd.service
    Falls der Dienst bereits lief, während Sie die Konfigurationsdatei /etc/vsftpd/vsftpd.conf bearbeitet haben, dann starten Sie den Dienst neu, um sicherzugehen, dass die bearbeitete Konfigurationsdatei geladen ist. Führen Sie den folgenden Befehl aus, um den Dienst neu zu starten:
    # systemctl restart vsftpd.service
Nachdem Sie die Schritte oben durchgeführt haben, steht die Installationsstruktur nun zur Verfügung und ist bereit zur Verwendung als Installationsquelle.
Wenn Sie die Installationsquelle vor oder während der Installation konfigurieren, geben Sie das FTP-Protokoll und den Hostnamen oder die IP-Adresse des Servers an. Wenn Sie die Installationsstruktur in ein Unterverzeichnis von /var/ftp/ auf der Freigabe kopiert haben, müssen Sie das Verzeichnis ebenfalls angeben. Falls Sie die Installationsstruktur beispielsweise nach /var/ftp/rhel7-install/ auf dem Server kopiert haben und die IP-Adresse des Servers 192.168.100.100 lautet, dann müssen Sie ftp://192.168.100.100/rhel7-install/ als Installationsquelle angeben.

2.3.3.3. Hinweise zur Firewall für netzwerkbasierte Installationen

Wenn Sie eine Installationsquelle im Netzwerk verwenden, müssen Sie sichergehen, dass die Firewall des Servers eingehende Verbindungen auf den Ports des verwendeten Protokolls erlaubt. Die folgende Tabelle zeigt, welche Ports für die jeweiligen Arten der netzwerkbasierten Installationen offen sein müssen.

Tabelle 2.1. Von Netzwerkprotokollen verwendete Ports

Verwendetes Protokoll Zu öffnende Ports
NFS 2049, 111, 20048
HTTP 80
HTTPS 443
FTP 21
Das Verfahren, um Ports auf Ihrem System zu öffnen, unterscheidet sich je nach Betriebssystem und Firewall-Software. Werfen Sie einen Blick auf die Dokumentation Ihrer Firewall für weitere Informationen. Informationen über das Öffnen von bestimmten Firewall-Ports auf Red Hat Enterprise Linux 7-Systemen finden Sie im Red Hat Enterprise Linux 7 Sicherheitshandbuch.