23.2. Vorgehensweise für eine Kickstart-Installation

Kickstart-Installationen können unter Verwendung eines lokalen DVD-Laufwerks, einer lokalen Festplatte sowie per NFS, FTP, HTTP oder HTTPS durchgeführt werden.
Um Kickstart zu nutzen, müssen Sie folgende Schritte ausführen:
  1. Erstellen einer Kickstart-Datei
  2. Bereitstellen der Kickstart-Datei auf einem Wechseldatenträger, einer Festplatte oder auf dem Netzwerk
  3. Erstellen eines Bootmediums, das zum Starten der Installation verwendet wird
  4. Bereitstellen der Installationsquelle
  5. Starten der Kickstart-Installation
In diesem Kapitel werden diese Schritte detailliert erläutert.

23.2.1. Erstellen einer Kickstart-Datei

Bei der Kickstart-Datei handelt es sich um eine einfache Textdatei. Sie enthält die in Abschnitt 23.3, »Übersicht über die Kickstart-Syntax« aufgeführten Schlüsselwörter, die als Anweisungen für die Installation dienen. Jeder beliebige Texteditor, der Dateien als ASCII-Text speichern kann (wie z. B. Gedit oder vim auf Linux-Systemen oder Notepad auf Windows-Systemen), kann zur Erstellung und Bearbeitung von Kickstart-Dateien verwendet werden.
Um eine Kickstart-Datei zu erstellen, empfehlen wir, zunächst eine manuelle Installation auf einem der Systeme durchzuführen. Nach Abschluss der Installation werden alle Eingaben und Auswahlen, die im Installationsprogramm getätigt wurden, in eine Datei namens anaconda-ks.cfg gespeichert, die sich im /root/-Verzeichnis auf dem installierten System befindet. Sie können diese Datei kopieren, gewünschte Änderungen vornehmen und die fertige Konfigurationsdatei für weitere Installationen verwenden.

Wichtig

Frühere Versionen von Red Hat Enterprise Linux enthielten ebenfalls ein grafisches Tool zum Erstellen und Bearbeiten von Kickstart-Dateien. Dieses Tool namens Kickstart Configurator (das Paket system-config-kickstart) ist auch in Red Hat Enterprise Linux 7 verfügbar. Allerdings wird es nicht weiterentwickelt und spiegelt daher nicht die Änderungen an der Kickstart-Syntax von Red Hat Enterprise Linux 6 auf Version 7 wider. Aus diesem Grund wird dieses Tool nicht empfohlen.
Beachten Sie beim Erstellen einer Kickstart-Datei Folgendes:
  • Die Reihenfolge der Abschnitte ist vorgeschrieben. Die Einträge in den Abschnitten müssen dagegen nicht in einer bestimmten Reihenfolge angeordnet sein, sofern nicht anders angegeben. Die Reihenfolge der Abschnitte lautet:

    Wichtig

    Die Abschnitte %packages, %pre und %postAbschnitte müssen mit %end beendet werden, andernfalls wird das Installationsprogramm die Kickstart-Datei ablehnen.
  • Nicht erforderliche Einträge können weggelassen werden.
  • Werden erforderliche Einträge weggelassen, so fordert das Installationsprogramm den Benutzer zur Eingabe der erforderlichen Antworten auf, wie bei einer normalen Installation. Danach wird die Installation im automatischen Modus fortgesetzt (es sei denn, es fehlen noch weitere Einträge).
  • Zeilen, die mit einem Rautenzeichen (#) beginnen, werden als Kommentar betrachtet und ignoriert.

23.2.2. Überprüfen der Kickstart-Datei

Nach dem Erstellen oder Anpassen Ihrer Kickstart-Datei ist es empfehlenswert, deren Gültigkeit zu überprüfen, bevor sie für eine Installation eingesetzt wird. Red Hat Enterprise Linux 7 enthält das ksvalidator-Befehlszeilentool, das zu diesem Zweck genutzt werden kann. Dieses Tool ist Teil des pykickstart-Pakets. Um dieses Paket zu installieren, führen Sie den folgenden Befehl als root aus:
# yum install pykickstart
Nachdem Sie das Paket installiert haben, können Sie Ihre Kickstart-Datei mithilfe des folgenden Befehls überprüfen:
$ ksvalidator /path/to/kickstart.ks
Ersetzen Sie /path/to/kickstart.ks durch den Pfad zu der Kickstart-Datei, die Sie überprüfen möchten.
Weitere Informationen über dieses Tool finden Sie auf der man-Seite für ksvalidator(1).

Wichtig

Beachten Sie, dass die Fähigkeiten dieses Tools Grenzen haben. Eine Kickstart-Datei kann äußerst kompliziert sein; ksvalidator kann sicherstellen, dass die Syntax korrekt ist und dass die Datei keine veralteten Optionen enthält, es kann jedoch nicht garantieren, dass die Installation tatsächlich erfolgreich sein wird. Darüber hinaus überprüft es nicht die Abschnitte %pre, %post und %packages der Kickstart-Datei.

23.2.3. Bereitstellen der Kickstart-Datei

Eine Kickstart-Datei muss an einem der folgenden Speicherorte abgelegt werden:
  • auf einem Wechseldatenträger wie z. B. einer DVD oder einem USB-Stick
  • auf einer Festplatte, die an das Installationssystem angeschlossen ist
  • auf einer Netzwerkfreigabe, auf die vom Installationssystem zugegriffen werden kann
In der Regel wird die Kickstart-Datei auf einen Wechseldatenträger oder die Festplatte kopiert oder im Netzwerk bereitgestellt. Wenn Sie die Datei im Netzwerk speichern, ergänzt dies gut die übliche Herangehensweise für Kickstart-Installationen, die ebenfalls netzwerkbasiert ist: das System wird mittels eines PXE-Servers gebootet, die Kickstart-Datei wird von einer Netzwerkfreigabe heruntergeladen, und die in der Datei angegebenen Softwarepakete werden von entfernten Repositorys heruntergeladen.
Das Bereitstellen der Kickstart-Datei für das Installationssystem entspricht dem Bereitstellen der Installationsquellen, mit dem Unterschied, dass eine Kickstart-Datei anstelle des Installations-ISO-Images oder der Installationsstruktur zur Verfügung gestellt wird. Detaillierte Anweisungen finden Sie in Abschnitt 2.3, »Vorbereiten der Installationsquelle«.

23.2.4. Bereitstellen der Installationsquelle

Die Kickstart-Installation muss auf eine Installationsquelle zugreifen können, um die Pakete zu installieren, die für Ihr System benötigt werden. Bei der Quelle kann es sich entweder um das vollständige Red Hat Enterprise Linux Installations-ISO-Image handeln, oder um eine Installationsstruktur. Eine Installationsstruktur ist eine Kopie der binären Red Hat Enterprise Linux DVD mit derselben Verzeichnisstruktur.
Falls Sie eine DVD-basierte Installation durchführen, legen Sie vor Beginn der Kickstart-Installation die Red Hat Enterprise Linux Installations-DVD in Ihren Rechner ein. Werfen Sie einen Blick auf Abschnitt 2.3.1, »Installationsquelle auf einer DVD« für Informationen über die Verwendung einer Red Hat Enterprise Linux-DVD als Installationsquelle.
Falls Sie eine festplattenbasierte Installation (unter Verwendung einer Festplatte oder eines USB-Sticks) durchführen, stellen Sie sicher, dass sich das ISO-Image der binären Red Hat Enterprise Linux-DVD auf einer Festplatte im Rechner befindet. Werfen Sie einen Blick auf Abschnitt 2.3.2, »Installationsquelle auf einer Festplatte« für Informationen über die Verwendung einer Festplatte als Installationsquelle.
Falls Sie eine netzwerkbasierte Installation (per NFS, FTP oder HTTP) durchführen, müssen Sie die Installationsstruktur oder das binäre DVD-ISO-Image (abhängig vom verwendeten Protokoll) über das Netzwerk verfügbar machen. Einzelheiten dazu finden Sie unter Abschnitt 2.3.3, »Installationsquelle auf einem Netzwerk«.

23.2.5. Starten der Kickstart-Installation

Um eine Kickstart-Installation zu starten, muss beim Systemboot eine bestimmte Bootoption (inst.ks=) angegeben werden. Wie genau diese Bootoption angegeben werden muss, hängt von der Architektur Ihres Systems ab. Siehe Kapitel 20, Bootoptionen für Details.
AMD64- und Intel 64-Systeme sowie IBM Power Systems-Server sind dazu in der Lage, mithilfe eines PXE-Servers zu booten. Bei der Konfiguration des PXE-Servers können Sie die oben genannte Bootoption zur Bootloader-Konfigurationsdatei hinzufügen, um einen automatischen Start der Installation zu ermöglichen. Mit dieser Herangehensweise ist es möglich, die Installation vollständig zu automatisieren, einschließlich des Bootvorgangs. Informationen über das Einrichten eines PXE-Servers finden Sie in Kapitel 21, Vorbereiten einer Netzwerkinstallation.
Die Verfahren in diesem Abschnitt setzen voraus, dass sowohl eine Kickstart-Datei bereit steht an einem Speicherort, der vom Installationssystem aus erreichbar ist, sowie ein Bootmedium oder ein PXE-Server, der zum Booten des Systems und zum Starten der Installation genutzt werden kann. Die Verfahren sollen lediglich als allgemeine Leitfäden dienen. Einige Schritte unterscheiden sich je nach Architektur Ihres Systems, und nicht alle Optionen stehen auf allen Architekturen zur Verfügung (beispielsweise können Sie auf IBM System z keinen PXE-Boot durchführen).

23.2.5.1. Manuelles Starten der Kickstart-Installation

Dieser Abschnitt erläutert, wie eine Kickstart-Installation manuell gestartet werden kann. Das bedeutet, dass ein gewisses Eingreifen vom Benutzer erforderlich ist, um Bootoptionen an der Eingabeaufforderung boot: hinzuzufügen.

Prozedur 23.1. Starten der Kickstart-Installation unter Verwendung einer Bootoption

  1. Booten Sie das System unter Verwendung eines lokalen Datenträgers (eine CD, DVD oder ein USB-Stick). Architekturspezifische Anweisungen finden Sie unter:
  2. Geben Sie an der Boot-Eingabeaufforderung die Bootoption inst.ks= und den Speicherort der Kickstart-Datei an. Falls die Kickstart-Datei an einem Speicherort im Netzwerk liegt, müssen Sie zudem mithilfe der Option ip= das Netzwerk konfigurieren. In manchen Fällen ist darüber hinaus die Option inst.repo= notwendig, damit auf eine Softwarequelle zugegriffen werden kann, von der die notwendigen Pakete installiert werden.
    Einzelheiten über Bootoptionen und eine gültige Syntax finden Sie in Kapitel 20, Bootoptionen.
  3. Starten Sie die Installation, indem Sie Ihre hinzugefügten Bootoptionen bestätigen.
Daraufhin beginnt die Installation, und zwar unter Verwendung der Optionen, die in der Kickstart-Datei angegeben sind. Sofern die Kickstart-Datei gültig ist und alle erforderlichen Befehle enthält, wird die Installation ab hier vollständig automatisiert durchgeführt.

23.2.5.2. Automatisches Starten der Kickstart-Installation

Das folgende Verfahren veranschaulicht, wie eine Kickstart-Installation mithilfe eines PXE-Servers und eines korrekt konfigurierten Bootloaders vollständig automatisiert werden kann. Wenn Sie dieses Verfahren anwenden, dann müssen Sie lediglich das System einschalten. Darüber hinaus ist keinerlei Interaktion erforderlich, bis die Installation abgeschlossen ist.

Anmerkung

PXE-Installationen sind auf IBM System z nicht verfügbar.

Prozedur 23.2. Starten der Kickstart-Installation durch Bearbeiten der Bootloader-Konfiguration

  1. Öffnen Sie die Bootloader-Konfigurationsdatei auf Ihrem PXE-Server und fügen Sie die Bootoption inst.ks= in der entsprechenden Zeile hinzu. Die Name der Datei sowie deren Syntax unterscheiden sich je nach Architektur und Hardware Ihres Systems:
    • Auf AMD64- und Intel 64-Systemen mit BIOS lautet der Dateiname entweder default oder basiert auf der IP-Adresse Ihres Systems. Fügen Sie in diesem Fall die Option inst.ks= zur append-Zeile im Installationseintrag hinzu. Werfen Sie einen Blick auf die folgende beispielhafte append-Zeile in der Konfigurationsdatei:
      append initrd=initrd.img inst.ks=http://10.32.5.1/mnt/archive/RHEL-7/7.x/Server/x86_64/kickstarts/ks.cfg
      
    • Auf AMD64- und Intel 64-Systemen mit UEFI lautet der Dateiname grub.cfg. Fügen Sie in dieser Datei die Option inst.ks= zur kernel-Zeile im Installationseintrag hinzu. Werfen Sie einen Blick auf die folgende beispielhafte kernel-Zeile in der Konfigurationsdatei:
      kernel vmlinuz inst.ks=http://10.32.5.1/mnt/archive/RHEL-7/7.x/Server/x86_64/kickstarts/ks.cfg
      
    • Auf IBM Power Systems-Servern lautet der Dateiname yaboot.conf. Fügen Sie in dieser Datei die Option inst.ks= zur append-Zeile im Installationseintrag hinzu. Werfen Sie einen Blick auf die folgende beispielhafte append-Zeile in der Konfigurationsdatei:
      append="inst.ks=http://10.32.5.1/mnt/archive/RHEL-7/7.x/Server/x86_64/kickstarts/ks.cfg"
      
  2. Booten Sie die Installation vom PXE-Server. Architekturspezifische Anleitungen finden Sie unter:
Die Installation sollte nun beginnen, und zwar unter Verwendung der Installationsoptionen, die in der Kickstart-Datei angegeben sind. Sofern die Kickstart-Datei gültig ist und alle erforderlichen Befehle enthält, wird die Installation nun vollständig automatisiert durchgeführt.