24.2. Automatische Festplattenimage-Installation

Die Erstellung von Festplattenimages und die Installation darauf kann mithilfe von livemedia-creator automatisiert werden. Für eine automatisierte Installation benötigen Sie ein installiertes Red Hat Enterprise Linux-System und eine Kickstart-Datei. Die Festplattenimages selbst müssen nicht manuell erstellt werden. Informationen über das Erstellen und Verwenden von Kickstart-Dateien finden Sie in Kapitel 23, Kickstart-Installationen.

24.2.1. Überblick über livemedia-creator

Das Erstellen von angepassten Images mit livemedia-creator ist normalerweise ein zweistufiger Vorgang. In der ersten Stufe wird eine temporäre Imagedatei angelegt und Anaconda (das Red Hat Enterprise Linux Installationsprogramm) installiert ein System in dieses Image basierend auf den Parametern in einer Kickstart-Datei. In der zweiten Stufe verwendet livemedia-creator dieses temporäre System zur Erstellung des endgültigen, bootfähigen Images.
Dieses Verhalten kann verändert werden, indem Sie zusätzliche Optionen angeben. Beispielsweise ist es möglich, lediglich die erste Stufe durchzuführen, um eine Imagedatei zu erhalten. Oder Sie können die erste Stufe überspringen und ein vorhandenes Festplatten- oder Dateisystemimage verwenden, um das endgültige, bootfähige ISO-Image zu erstellen.

Wichtig

Das Erstellen von angepassten Images mit livemedia-creator wird derzeit nur auf AMD64- und Intel 64-Systemen (x86_64) unterstützt.
Zudem wird der Erstellungsvorgang nur in Red Hat Enterprise Linux 7 unterstützt. Angepasste Images früherer Releases können zwar auch erstellt werden, diese werden jedoch von Red Hat nicht unterstützt.
Die Verwendung von livemedia-creator wird in Abschnitt 24.2.4, »Erstellen von angepassten Images« beschrieben. Auf einem System, auf dem das lorax-Paket installiert ist, können Sie eine Liste aller verfügbaren Optionen mit dem Befehl livemedia-creator --help anzeigen. Zusammen mit dem lorax-Paket wird auch die folgende Dokumentation installiert: die man-Seite für livemedia-creator(1) und die Datei README.livemedia-creator im Verzeichnis /usr/share/doc/lorax-version/, wobei version die Version des installierten lorax-Pakets ist.

24.2.2. Installieren von livemedia-creator

Das Werkzeug livemedia-creator ist Teil des lorax-Pakets. Um das Paket zu installieren, führen Sie den folgenden Befehl als root aus:
# yum install lorax 
Zusätzlich zum lorax-Paket müssen Sie mehrere andere Pakete installieren. Bei diesen Paketen handelt es sich nicht um Abhängigkeiten von lorax, weshalb sie nicht automatisch installiert werden. Dennoch werden diese Pakete möglicherweise benötigt, abhängig davon, wofür genau Sie livemedia-creator verwenden möchten. Zu diesen Paketen gehören unter anderem:
  • virt-install: Ein Paket, das Werkzeuge zur Erstellung von virtuellen Maschinen bereitstellt, die in der ersten Stufe zur Erstellung von Live-Medien benötigt werden, sofern nicht die Option --no-virt angegeben wurde.
  • libvirt, qemu-kvm, virsh und andere Virtualisierungswerkzeuge: Um virt-install nutzen zu können, muss Ihr System für die Erstellung, Ausführung und Verwaltung von virtuellen Maschinen vorbereitet sein. Im Red Hat Enterprise Linux 7 Bereitstellungs- und Administrationshandbuch zur Virtualisierung finden Sie Informationen über die Virtualisierung in Red Hat Enterprise Linux und über die Installation und Verwendung von Virtualisierungswerkzeugen.
  • anaconda: Das Red Hat Enterprise Linux-Installationsprogramm, das in der ersten Stufe anstelle von virt-install verwendet wird, falls die Option --no-virt angegeben wurde.
Gegebenenfalls sind noch andere Applikationen notwendig, die jedoch über den Rahmen dieses Handbuchs hinausgehen. Falls Sie versuchen, livemedia-creator auszuführen und ein für die angegebene Option erforderliches Paket fehlt, dann wird das Programm stoppen und eine Fehlermeldung ausgeben. Dieser Fehlermeldung können Sie entnehmen, welche Pakete Sie installieren müssen, bevor Sie fortfahren können.

24.2.3. Beispiele für Kickstart-Dateien

Um erfolgreich ein angepasstes Live-Image zu erstellen, benötigen Sie eine gültige Kickstart-Konfigurationsdatei. Zwei Beispieldateien werden automatisch zusammen mit lorax installiert. Sie können diese Beispiele entweder als Referenz bei der Erstellung Ihrer eigenen angepassten Images nutzen, oder Sie können diese Beispieldateien kopieren und Sie entsprechend Ihrer Anforderungen anpassen. Beide Beispieldateien befinden sich im Verzeichnis /usr/share/doc/lorax-version/, wobei version die Version des installierten lorax-Pakets ist.
Die folgenden Beispieldateien sind verfügbar:
  • rhel7-minimal.ks: Eine Konfigurationsdatei, die nur eine minimale Installation (die Gruppe @core) und andere wesentliche Pakete (z. B. den Kernel und den GRUB2-Bootloader) vornimmt. Außer root werden keine Benutzerkonten angelegt und es werden keinerlei weiteren Pakete und keine grafische Oberfläche installiert.
  • rhel7-livemedia.ks: Eine erweiterte Konfigurationsdatei, die ein Live-System mit grafischer Oberfläche installiert. Zusätzlich zu root wird ein Benutzer namens liveuser angelegt.
Beide Beispielkonfigurationen müssen verändert werden, um einen gültigen Speicherort als Installationsquelle anzugeben. Öffnen Sie dazu die Datei in einem Texteditor wie z. B. vim, suchen Sie den url-Befehl und ändern Sie die vorhandene Adresse auf eine gültige Installationsquelle ab. Darüber hinaus sind keine weiteren Änderungen notwendig, damit diese Beispieldateien funktionieren.

Wichtig

Bearbeiten Sie die Beispieldateien nicht direkt an ihrem Speicherort, sondern kopieren Sie sie in ein anderes Verzeichnis und bearbeiten sie dort.

Anmerkung

Wenn Sie die Installationsquelle und zusätzliche Repositorys in der Kickstart-Datei angeben, bedenken Sie dabei, dass nur offizielle Repositorys von Red Hat unterstützt werden. Angepasste Repositorys können zwar funktionieren, werden aber nicht unterstützt.

24.2.4. Erstellen von angepassten Images

Dieser Abschnitt beschreibt mehrere häufige Anwendungsfälle für livemedia-creator und stellt keine vollständige Liste verfügbarer Optionen dar. Um alle verfügbaren Optionen anzuzeigen, führen Sie den Befehl livemedia-creator --help aus oder werfen Sie einen Blick auf die man-Seite für livemedia-creator(1).

24.2.4.1. Erstellen eines Live-Images mit virt-install

Der häufigste Anwendungsfall für livemedia-creator ist die Verwendung von virt-install zur Erstellung einer temporären virtuellen Maschine, die während der Live-Imageerstellung verwendet wird. Um ein Live-ISO mit virt-install zu erstellen, benötigen Sie eine gültige Kickstart-Datei und ein bootfähiges ISO-Image, welches das Anaconda-Installationsprogramm enthält. Diese Images werden von Red Hat als "minimale Bootmedien" bereitgestellt. Siehe Abschnitt 2.2, »Erstellen eines USB-Installationsmediums« für Details.
Als absolutes Minimum brauchen Sie den folgenden Befehl, um ein Live-Image mit virt-install zu erstellen:
# livemedia-creator --make-iso --iso=/path/to/boot.iso --ks=/path/to/valid/kickstart.ks 
Ersetzen Sie /path/to/boot.iso durch einen Pfad zu einem minimalen Bootimage und /path/to/valid/kickstart.ks durch einen Pfad zu einer gültigen Kickstart-Datei, die für die Imageerstellung verwendet wird.
Die folgenden Optionen könnten für diesen Anwendungsfall ebenfalls hilfreich sein:
  • --vnc vnc: Diese Option ermöglicht es Ihnen, den Installationsvorgang mithilfe eines VNC-Clients wie TigerVNC zu beobachten. Die Option wird an die Option --graphics von virt-install übergeben. Siehe Kapitel 22, Installation mittels VNC für weitere Informationen.
  • --ram x: Diese Option ermöglicht es Ihnen, die Menge an RAM in Megabytes für die temporäre virtuelle Maschine anzugeben.
  • --vcpus x: Die Anzahl an Prozessoren für die virtuelle Maschine.

24.2.4.2. Erstellen eines Live-Images mit Anacondas Imageinstallation

Eine andere Methode zur Erstellung eines Live-Images ist mithilfe des Anaconda-Features zur Imageinstallation. In diesem Fall ist kein Image nötig, welches das Installationsprogramm enthält, stattdessen muss das anaconda-Paket auf dem System installiert sein. Der Vorgang besteht aus zwei Stufen: Zunächst wird ein temporäres Festplattenimage erstellt, auf dem das System installiert wird. Anschließend wird dieses Image dazu verwendet, das endgültige, bootfähige ISO zu erstellen.

Warnung

Die Erstellung eines Live-Images mit Anaconda birgt potenzielle Risiken, da das Installationsprogramm auf dem System selbst ausgeführt wird, nicht innerhalb einer virtuellen Maschine. Zwar sind derzeit keine Fehler bekannt, die Probleme verursachen könnten, doch es ist theoretisch möglich, dass dieses Verfahren das System ernsthaft beschädigt. Das Ausführen von livemedia-creator mit der Option --no-virt wird deshalb nur für virtuelle Maschinen empfohlen, die eigens zu diesem Zweck bereitgestellt werden.

Wichtig

Setzen Sie Security Enhanced Linux (SELinux) in den Modus "permissive" (oder "disabled"), bevor Sie angepasste Images mit Anaconda erstellen. Siehe Red Hat Enterprise Linux 7 SELinux Benutzer- und Administratorhandbuch für Informationen über das Einstellen der SELinux-Modi.
Um mithilfe von Anaconda ein Live-Image zu erstellen, verwenden Sie die Option --no-virt. Zum Beispiel:
# livemedia-creator --make-iso --ks=/path/to/valid/kickstart.ks --no-virt 

24.2.4.3. Erstellen eines Festplatten- oder Dateisystemimages

Sie können livemedia-creator auch dazu verwenden, ein Festplatten- oder Dateisystemimage zu erstellen. In diesem Fall wird nur die erste Stufe zur Imageerstellung durchgeführt. Es wird kein endgültiges ISO erstellt, stattdessen stoppt das Programm nach Beendigung des Installationsvorgangs auf dem temporären Festplatten- oder Dateisystemimage. Sie können dann dieses Image einhängen und auf Fehler untersuchen. Dies kann hilfreich sein bei der Suche und Bereinigung von Fehlern in einer bearbeiteten Kickstart-Datei. Sie können das Image auch für den späteren Gebrauch aufbewahren, um bei zukünftigen Imageerstellungen Zeit zu sparen.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, den Erstellungsvorgang nach der ersten Stufe zu stoppen. Sie können die Option --image-only verwenden, wie folgenden Beispiel veranschaulicht:
# livemedia-creator --make-iso --ks=/path/to/valid/kickstart.ks --iso=/path/to/boot.iso --image-only 
Alternativ können Sie die Option --make-disk anstelle von --make-iso verwenden:
# livemedia-creator --make-disk --ks=/path/to/valid/kickstart.ks --iso=/path/to/boot.iso 
Sie können auch ein Dateisystemimage anstelle eines partitionierten Festplattenimages erstellen mithilfe der Option --make-fsimage:
# livemedia-creator --make-fsimage --ks=/path/to/valid/kickstart.ks --iso=/path/to/boot.iso 

Anmerkung

Es ist ebenfalls möglich, die Option --no-virt in allen Beispielen in diesem Abschnitt zu verwenden.
In jedem Fall ist das Ergebnis ein partitioniertes Festplattenimage oder Dateisystemimage, das sich standardmäßig im Verzeichnis /var/tmp/ befindet. Um diesen Speicherort zu ändern, verwenden Sie die Option --tmp /path/to/temporary/directory/, wobei /path/to/temporary/directory/ der Pfad zum gewünschten Zielverzeichnis ist.

24.2.4.4. Verwenden eines zuvor erstellten Festplatten- oder Dateisystemimages

Falls Sie bereits ein Festplatten- oder Dateisystemimage vorliegen haben (siehe Abschnitt 24.2.4.3, »Erstellen eines Festplatten- oder Dateisystemimages«), können Sie livemedia-creator dieses zur Verfügung stellen, um daraus das endgültige, bootfähige ISO-Image zu erstellen. In diesem Fall ist keine Kickstart-Datei und kein Anaconda-Installationsimage notwendig; diese sind nur für die erste Stufe der Imageerstellung erforderlich, die in diesem Fall übersprungen wird.
Verwenden Sie die Option --disk-image, um ein endgültiges Image aus einem vorhandenen, partitionierten Festplattenimage zu erstellen. Zum Beispiel:
# livemedia-creator --make-iso --disk-image=/path/to/disk/image.img 
Falls Sie ein Dateisystemimage anstelle eines Festplattenimages nutzen möchten, verwenden Sie stattdessen die Option --fs-image:
# livemedia-creator --make-iso --fs-image=/path/to/filesystem/image.img 

24.2.4.5. Erstellen einer Appliance

Ein anderer Anwendungsfall für livemedia-creator ist das Erstellen eines Appliance-Images (ein partitioniertes Festplattenimage), einschließlich einer XML-Datei mit dessen Beschreibung, das mithilfe einer Vorlage generiert wird. In diesem Fall werden sowohl virtuelle Maschineninstallationen als auch Imageinstallationen unterstützt. Um ein Appliance-Image samt Beschreibung zu erstellen, verwenden Sie die Option --make-appliance anstelle von --make-iso. Zum Beispiel:
# livemedia-creator --make-appliance --ks=/path/to/valid/kickstart.ks --iso=/path/to/boot.iso 
Sowohl das Image als auch die XML-Datei zur Beschreibung werden im Verzeichnis /var/tmp/ gespeichert, sofern nicht ein anderes Verzeichnis mit der Option --resultdir angegeben wurde.
Die folgenden Optionen sind spezifisch für die Appliance-Erstellung:
  • --app-name name: gibt den Namen der Appliance an, der in der XML-Beschreibungsdatei mit dem <name> Tag erscheint. Der Standardwert ist None.
  • --app-template /path/to/template.tmpl: gibt die zu verwendene Vorlage an. Der Standard ist /usr/share/lorax/appliance/libvirt.tmpl.
  • --app-file /path/to/app/file.xml: gibt den Namen der generierten XML-Beschreibungsdatei an. Der Standardwert ist appliance.xml.

24.2.4.6. Erstellen eines Amazon Machine Image (AMI)

Verwenden Sie die Option --make-ami, um ein Amazon Machine Image (AMI) zum Einsatz in der Amazon Elastic Compute Cloud (EC2) zu erstellen. Sowohl virtualisierte Installationen als auch Imageinstallationen werden unterstützt.
# livemedia-creator --make-ami --ks=/path/to/valid/kickstart.ks --iso=/path/to/boot.iso 
Das Ergebnis ist eine Datei namens ami-root.img, die sich im Verzeichnis /var/tmp/ befindet, sofern Sie nicht ein anderes Zielverzeichnis mit der Option --resultdir angegeben haben.

24.2.4.7. Weitere Argumente

Die folgenden Optionen können in allen oben genannten Anwendungsfällen (virtuelle Installationen, Anaconda-Imageinstallationen und andere) verwendet werden.
  • --keep-image: Wenn Sie diese Option angeben, wird die temporäre Festplattenimagedatei aus der ersten Stufe der Installation nicht gelöscht. Sie befindet sich im Verzeichnis /var/tmp/ und trägt einen zufällig generierten Namen wie z. B. diskgU42Cq.img.
  • --image-only: Wenn Sie diese Option angeben, wird nur die erste Stufe der Imageerstellung durchgeführt. Statt das endgültige, bootfähige ISO-Image zu erstellen, wird livemedia-creator lediglich die temporäre Festplattenimagedatei erstellen und darauf die Installation durchführen. Mit dieser Option können Sie Zeit sparen, wenn Sie Änderungen an Ihrer Kickstart-Datei testen möchten, da Sie die langwierige zweite Stufe überspringen und die temporäre Festplattenimagedatei sofort untersuchen können.
  • --image-name name: Mit dieser Option können Sie einen benutzerdefinierten Namen für die temporäre Festplattenimagedatei angeben. Standardmäßig wird der Name zufällig generiert (z. B. disk1Fac8G.img).
  • --tmp /path/to/temporary/directory/: Diese Option gibt das temporäre Verzeichnis der obersten Ebene an. Der Standardwert ist /var/tmp/. Wenn Sie mit dieser Option ein Verzeichns angeben, muss dieses bereits existieren.
  • --resultdir /path/to/results/directory/: Diese Option gibt das Verzeichnis an, in dem das Ergebnis (das bootfähige ISO-Image) erscheint, sobald livemedia-creator fertig ist. Sie können kein bereits vorhandenes Verzeichnis angeben. Der Standard ist /var/tmp/. Diese Option betrifft nur das endgültige ISO-Image. Falls Sie dagegen ein Festplatten- oder Dateisystemimage erstellen und dieses an einem bestimmten Speicherort abgelegt werden soll, verwenden Sie die Option --tmp.
  • --logfile /path/to/log/file/: Diese Option gibt den Speicherort der Protokolldatei des Programms an.

24.2.5. Suche und Bereinigung von Problemen mit livemedia-creator

Dieser Abschnitt liefert Hinweise zur Lösung verschiedener Probleme, die bei der Verwendung von livemedia-creator auftreten können. Falls Sie auf ein Problem treffen, das hier nicht beschrieben wird, können Sie einen Blick auf die Protokolldateien des Programms werfen. Diese werden automatisch bei jedem Durchlauf angelegt und in dem Verzeichnis gespeichert, von wo aus Sie das Tool aufgerufen haben, sofern Sie nicht ein anderes Verzeichnis mit der Option --logfile angegeben haben. Die Protokolldateien unterscheiden sich je nach verwendeten Optionen. Beispielsweise wird virt-install.log nicht generiert, falls Sie die Option --no-virt verwenden (stattdessen erhalten Sie Protokolldateien von Anaconda, die sich im anaconda/-Verzeichnis befinden). Andere Dateien wie livemedia.log und program.log werden in jedem Fall generiert.
Eine andere Methode zur Suche und Bereinigung von Fehlern ist die Verwendung der Option --image-only beim Ausführen des Dienstprogramms. Diese Option hält das Programm nach der ersten Stufe an, so dass lediglich eine Festplattenimagedatei erstellt wird, kein endgültiges, bootfähiges ISO. Diese Imagedatei können Sie dann einhängen und ihre Inhalte untersuchen, ohne die zweite Stufe abwarten zu müssen. Alternativ können Sie die Option --keep-image verwenden, wodurch beide Stufen durchlaufen werden, das temporäre Festplattenimage jedoch für eine spätere Analyse aufbewahrt wird.
Es wird empfohlen, beim Testen von Änderungen an der Kickstart-Datei die Option --vnc zu verwenden. Diese Option ermöglicht es Ihnen, sich mithilfe eines VNC-Clients mit der virtuellen Maschine zu verbinden und den Installationsvorgang zu beobachten. Siehe Kapitel 22, Installation mittels VNC für Details.

24.2.5.1. Hängen gebliebene Installation einer virtuellen Maschine

Falls das Installationsprogramm aus irgendeinem Grund während der ersten Stufe einer virtuellen Installation hängen bleibt, wird livemedia-creator ebenfalls hängen bleiben, während es auf den Abschluss der Installation wartet. Sie können das Programm entweder direkt unterbrechen, oder Sie können dieses Problem lösen, indem Sie die temporäre virtuelle Maschine stoppen. livemedia-creator erkennt daraufhin, dass das Gastbetriebssystem gestoppt wurde, löscht alle temporären Dateien und beendet.
Gehen Sie folgendermaßen vor, um die temporäre virtuelle Maschine zu stoppen:

Prozedur 24.1. Stoppen der temporären virtuellen Maschine

  1. Verwenden Sie virsh, um alle virtuellen Maschinen (Gäste) anzuzeigen, die derzeit auf dem System verfügbar sind. Die Ausgabe sieht etwa wie folgt aus:
    # virsh list --all Id Name State ---------------------------------------------------- 93 LiveOS-2a198971-ba97-454e-a056-799f453e1bd7 running - RHEL7 shut off 
    Identifizieren Sie die temporäre virtuelle Maschine. Ihr Name beginnt stets mit LiveOS, gefolgt von einer Reihe von zufälligen Ziffern und Buchstaben.
  2. Wenn Sie die temporäre virtuelle Maschine identifiziert haben, stoppen Sie diese mit dem Befehl virsh destroy name, wobei name der Name der virtuellen Maschine ist:
    # virsh destroy LiveOS-2a198971-ba97-454e-a056-799f453e1bd7 Domain LiveOS-2a198971-ba97-454e-a056-799f453e1bd7 destroyed 

24.2.5.2. Abgebrochene Installation einer virtuellen Maschine

Falls Sie eine virtuelle Installation durchführen und der Vorgang aus irgendeinem Grund (z. B. Hardwarefehler, Stromausfall oder Tastaturinterrupt) während der ersten Stufe unterbrochen wird, dann kann virt-install nicht neu starten, bis das bereits erstellte temporäre Festplattenimage und die virtuelle Maschine entfernt wurden. Das folgende Verfahren erläutert die notwendigen Schritte.
Nicht in jedem Fall sind alle Schritte erforderlich. Falls Sie beispielsweise nach einem Systemabsturz wiederherstellen, müssen Sie die temporäre virtuelle Maschine nicht stoppen, sondern nur deren Definition löschen. Sie können auch Schritte 4 und 5 verwenden, wenn Sie ausschließlich temporäre Dateien bereinigen möchten, die von livemedia-creator angelegt wurden.

Prozedur 24.2. Entfernen von temporären Gästen und Festplattenimagedateien

  1. Verwenden Sie virsh, um alle virtuellen Maschinen (Gäste) anzuzeigen, die derzeit auf dem System verfügbar sind. Die Ausgabe sieht etwa wie folgt aus:
    # virsh list --all Id Name State ---------------------------------------------------- 93 LiveOS-2a198971-ba97-454e-a056-799f453e1bd7 running - RHEL7 shut off 
    Identifizieren Sie die temporäre virtuelle Maschine. Ihr Name beginnt stets mit LiveOS, gefolgt von einer Reihe von zufälligen Ziffern und Buchstaben.
  2. Wenn Sie die temporäre virtuelle Maschine identifiziert haben, stoppen Sie diese mit dem Befehl virsh destroy name, wobei name der Name der virtuellen Maschine ist:
    # virsh destroy LiveOS-2a198971-ba97-454e-a056-799f453e1bd7 Domain LiveOS-2a198971-ba97-454e-a056-799f453e1bd7 destroyed 
  3. Löschen Sie die temporäre virtuelle Maschine mithilfe von virsh undefine name, wobei Sie denselben Wert für name verwenden wie im vorherigen Schritt.
    # virsh undefine LiveOS-2a198971-ba97-454e-a056-799f453e1bd7 Domain LiveOS-2a198971-ba97-454e-a056-799f453e1bd7 has been undefined 
  4. Suchen Sie den Einhängepunkt des temporären Dateisystems. Er verweist auf /var/tmp/ und der Name lautet lorax.imgutils gefolgt von sechs zufälligen Ziffern oder Buchstaben.
    # findmnt -T /var/tmp/lorax.imgutils* TARGET SOURCE FSTYPE OPTIONS /var/tmp/lorax.imgutils.bg6iPJ /dev/loop1 iso9660 ro,relatime 
    Hängen Sie es anschließend mit dem umount-Befehl aus:
     # umount /var/tmp/lorax.imgutils.bg6iPJ 
  5. Suchen Sie das temporäre Festplattenimage, das von virt-install im Verzeichnis /var/tmp erstellt wurde. Der Name dieser Datei wird auf der Befehlszeile zu Beginn des Installationsvorgangs angezeigt. Der Name wird zufällig generiert, sofern Sie nicht mit der Option --image-name einen bestimmten Namen angeben. Zum Beispiel:
     2013-10-30 09:53:03,161: disk_size = 5GB 2013-10-30 09:53:03,161: disk_img = /var/tmp/diskQBkzRz.img 2013-10-30 09:53:03,161: install_log = /home/pbokoc/lorax/virt-install.log mount: /dev/loop1 is write-protected, mounting read-only 
    In dem obigen Beispiel ist das temporäre Festplattenimage /var/tmp/diskQBkzRz.img.
    Falls Sie die ersten Meldungen nicht finden können, können Sie die temporären Dateien manuell identifizieren. Sie können sämtliche Inhalte des Verzeichnisses /var/tmp mithilfe des ls-Befehls auflisten und die Ausgabe nach Dateien mit disk im Namen filtern:
    # ls /var/tmp/ | grep disk diskQBkzRz.img 
    Löschen Sie anschließend das temporäre Festplattenimage:
    # rm -f /var/tmp/diskQBkzRz.img 
Wenn Sie alle Schritte in diesem Verfahren ausgeführt haben, sind Sie nun dazu bereit, eine neue Installation mit virt-install zu beginnen.

24.2.5.3. Fehlgeschlagene Installation mit --no-virt

Sie können eine unterbrochene Installation mit dem Anaconda-Feature zur Imageinstallation (die Option --no-virt) bereinigen, indem Sie das Skript anaconda-cleanup ausführen, das zusammen mit dem anaconda-Paket installiert wird. Das Skript befindet sich im Verzeichnis /usr/bin/.
Verwenden Sie den folgenden Befehl, um das Skript zur Bereinigung auszuführen. Sie benötigen dazu Root-Rechte.
# anaconda-cleanup