Anhang F. Boot-Prozess, Init und Shutdown

Einer der größten Vorteile von Red Hat Enterprise Linux ist die flexible und durch den Benutzer konfigurierbare Art und Weise, wie das Betriebssystem gestartet wird. Benutzer können viele Aspekte des Bootvorgangs frei einstellen, z.B. welche Programme während des Bootens gestartet werden. Auf gleiche Weise werden beim Herunterfahren des Systems die Prozesse auf organisierte und konfigurierbare Art und Weise beendet, auch wenn die Anpassung dieses Prozesses selten erforderlich ist.
Das Verständnis der Funktionsweise der Boot- und Shutdown-Prozesse erlaubt nicht nur individuelle Anpassungen, sondern vereinfacht auch die Problembehandlung, sollten Probleme beim Starten oder Herunterfahren des Systems auftreten.

F.1. Der Boot-Prozess

Nachfolgend werden die grundlegenden Phasen des Boot-Prozesses beschrieben:
  1. Das System lädt und führt einen Bootloader aus. Die Einzelheiten dieses Vorgangs hängen von der Systemarchitektur ab. Zum Beispiel:
    • BIOS-basierte x86 Systeme führen einen Bootloader der ersten Stufe vom MBR der primären Festplatte aus, die wiederum einen zusätzlichen Bootloader GRUB lädt.
    • UEFI-basierte x86 Systeme hängen eine EFI System-Partition ein, die eine Version des GRUB-Bootloaders. Der EFI Boot-Manager lädt und führt GRUB als eine EFI-Anwendung aus.
    • POWER-Systeme hängen eine PPC PReP-Partition ein, die den Yaboot Bootloader enthält. Der System Management Services (SMS) Boot-Manager lädt und führt yaboot aus.
    • IBM System z führt den z/IPL-Bootloader von einem DASD oder FCP-verbundenen Gerät aus, das Sie festlegen, wenn Sie das IPL der Partition bestimmen, die Red Hat Enterprise Linux enthält.
  2. Der Bootloader der zweiten Phase lädt den Kernel in den Speicher, welcher wiederum seinerseits alle erforderlichen Module lädt und die Root-Partition als schreibgeschützt einhängt.
  3. Der Kernel übergibt die Steuerung des Boot-Prozesses an das Programm /sbin/init.
  4. Das Programm /sbin/init lädt alle Dienste und Userspace-Werkzeug und hängt alle in /etc/fstab aufgeführten Partitionen ein.
  5. Dem Benutzer wird ein Anmeldebildschirm für das gerade gestartete Linux-System angezeigt.
Da die Konfiguration des Boot-Prozesses häufiger vorkommt, als die individuelle Anpassung des Shutdown-Prozesses, wird im restlichen Kapitel die Funktionsweise des Boot-Prozesses näher behandelt und auch wie dieser angepasst werden kann, um speziellen Anforderungen gerecht zu werden.