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8.4. Der Dienst pacemaker_remote

Der Dienst pacemaker_remote ermöglicht es, Knoten, die corosync nicht ausführen, in den Cluster zu integrieren und deren Ressourcen zu verwalten, als handele es sich um echte Cluster-Knoten. Dies bedeutet, dass Pacemaker-Cluster nun dazu in der Lage sind, virtuelle Umgebungen (KVM/LXC) sowie die Ressourcen innerhalb dieser Umgebungen zu verwalten, ohne dass in diesen virtuellen Umgebungen pacemaker oder corosync ausgeführt werden muss.
Die folgenden Begriffe beschreiben den Dienst pacemaker_remote.
  • Cluster-Knoten – Ein Knoten, der die Hochverfügbarkeitsdienste (pacemaker und corosync) ausführt.
  • Remote-Knoten – Ein Knoten, der pacemaker_remote ausführt, um sich von Remote aus in den Cluster zu integrieren, ohne eine corosync-Cluster-Mitgliedschaft zu erfordern.
  • Container – Eine Pacemaker-Ressource, die weitere Ressourcen enthält. Beispielsweise eine virtuelle KVM-Maschine, die eine Webserver-Ressource enthält.
  • Container-Remote-Knoten – Ein virtueller Remote-Gast-Knoten, der den Dienst pacemaker_remote ausführt. Dies beschreibt einen bestimmten Anwendungsfall eines Remote-Knotens, bei dem eine vom Cluster verwaltete virtuelle Gastressource vom Cluster gestartet und in den Cluster als Remote-Knoten integriert wird.
  • pacemaker_remote – Ein Dienst-Daemon mit der Fähigkeit zur Remote-Applikationsverwaltung innerhalb von Gastknoten (KVM und LXC) in sowohl Pacemaker-Cluster-Umgebungen als auch eigenständigen (nicht geclusterten) Umgebungen. Dieser Dienst ist eine erweiterte Version von Pacemakers lokalem Daemon zur Ressourcenverwaltung (Local Resource Management Daemon oder kurz LRMD), der fähig ist zur Remote-Verwaltung und -Überwachung von LSB-, OCF-, upstart- und systemd-Ressourcen auf einem Gast. Zudem ermöglicht er, dass pcs auf Remote-Knoten ausgeführt werden kann.
  • LXC – Ein Linux-Container, definiert durch den Linux-Container-Treiber libvirt-lxc.
Ein Pacemaker-Cluster, der den Dienst pacemaker_remote ausführt, hat die folgenden Charakteristiken.
  • Die virtuellen Remote-Knoten führen den Dienst pacemaker_remote aus (mit nur wenig erforderlicher Konfiguration auf Seiten der virtuellen Maschine).
  • Der Cluster-Stack (pacemaker und corosync), der auf den Cluster-Knoten läuft, startet die virtuellen Maschinen und verbindet sofort mit dem Dienst pacemaker_remote, sodass die virtuellen Maschinen in den Cluster integriert werden können.
Der wesentliche Unterschied zwischen den virtuellen Remote-Maschinen und den Cluster-Knoten besteht darin, dass die Remote-Knoten nicht den Cluster-Stack ausführen. Dies bedeutet, dass die Remote-Knoten keinen Anteil am Quorum haben. Andererseits bedeutet dies auch, dass die Remote-Knoten nicht der begrenzten Skalierbarkeit des Cluster-Stacks unterliegen. Abgesehen von der Quorum-Einschränkung verhalten sich Remote-Knoten im Hinblick auf die Ressourcenverwaltung ganz wie Cluster-Knoten. Der Cluster ist dazu in der Lage, die Ressourcen auf jedem Remote-Knoten vollständig zu verwalten und zu überwachen. Sie können Beschränkungen für Remote-Knoten anlegen, sie in den Standby-Modus versetzen oder jede andere Aktion auf ihnen ausführen, die Sie auch auf Cluster-Knoten ausführen können. Remote-Knoten erscheinen in der Ausgabe des Cluster-Status ganz wie normale Cluster-Knoten.

8.4.1. Ressourcenoptionen für Container-Remote-Knoten

Zur Konfiguration einer virtuellen Maschine oder LXC-Ressource als Remote-Knoten erstellen Sie eine VirtualDomain-Ressource, welche die virtuelle Maschine verwaltet. Mit dem folgenden Befehl erhalten Sie eine Beschreibung der Optionen, die Sie für eine VirtualDomain-Ressource festlegen können.
# pcs resource describe VirtualDomain
Zusätzlich zu den VirtualDomain-Ressourcenoptionen können Sie Metadaten-Optionen konfigurieren, um die Ressource als Remote-Knoten zu konfigurieren und die Verbindungsparameter zu definieren. Tabelle 8.3, »Metadaten-Optionen zur Konfiguration von KVM/LXC-Rsesourcen als Remote-Knoten« beschreibt diese Metadaten-Optionen.

Tabelle 8.3. Metadaten-Optionen zur Konfiguration von KVM/LXC-Rsesourcen als Remote-Knoten

FeldStandardBeschreibung
remote-node
<none>
Der Name des Remote-Knotens, der diese Ressource definiert. Dies aktiviert die Ressource als Remote-Knoten und definiert den eindeutigen Namen zur Identifizierung des Remote-Knotens. Falls keine Parameter festgelegt sind, wird dieser Wert auch als Hostname zur Verbindung mit Port 3121 angenommen. WARNUNG: Dieser Wert darf sich nicht mit anderen Ressourcen- oder Knoten-IDs überschneiden.
remote-port
3121
Konfiguriert einen benutzerdefinierten Port zur Verwendung für die Gastverbindung mit pacemaker_remote.
remote-addr
Wert von remote-node verwendet als Hostname
Die IP-Adresse oder der Hostname, mit dem verbunden wird, falls der Name des Remote-Knotens nicht der Hostname des Gasts ist
remote-connect-timeout
60s
Zeitspanne für eine ausstehende Gastverbindung, bevor eine Zeitüberschreitung erfolgt
Der folgende Befehl erstellt eine VirtualDomain-Ressource namens vm-guest1, bei der es sich um einen Remote-Knoten handelt, der mithilfe des Meta-Attributs remote-node dazu in der Lage ist, Ressourcen auszuführen.
# pcs resource create vm-guest1 VirtualDomain hypervisor="qemu:///system" config="vm-guest1.xml" meta remote-node=guest1