Kapitel 2. Kernel

Fibre-Channel-Protokoll: End-To-End Datenkonsistenzprüfung

Die Datenintegrität zwischen einem Host-Adapter und einem Speicherserver wurde in Red Hat Enterprise Linux 6.4 verbessert, indem der zFCP-spezifische Teil des erweiterten T10 DIF SCSI Standards für End-To-End (E2E) Datenkonsistenzprüfung implementiert wurde.

Flash-Express-Unterstützung für IBM System z

Storage-Class Memory (SCM) für IBM System z ist eine Klasse von Speichergeräten, die Eigenschaften von Festplattenspeicher und Arbeitsspeicher kombiniert. SCM für System z unterstützt nun Flash-Express-Speicher. Über Extended Asynchronous Data Mover (EADM) Unterkanäle kann auf SCM-Inkremente zugegriffen werden. Jedes Inkrement wird durch ein Blockgerät dargestellt. Dieses Feature verbessert die Paging-Rate und Zugriffsperformanz für temporären Speicher, beispielsweise für Data-Warehousing.

Open vSwitch Kernel-Modul

Red Hat Enterprise Linux 6.4 enthält das Open vSwitch Kernel-Modul, um Red Hats weitere Produktangebote zu ermöglichen. Open vSwitch wird nur in Verbindung mit solchen Produkten unterstützt, die die zugehörigen User-Space-Tools enthalten. Bitte beachten Sie, dass ohne diese erforderlichen User-Space-Tools Open vSwitch nicht funktionieren kann und nicht zur Verwendung aktiviert weren kann. Weitere Informationen finden Sie in dem folgenden Artikel der Wissensdatenbank: https://access.redhat.com/knowledge/articles/270223.

Vergleich von gebootetem System mit Speicherauszug eines Systems

Dieses Feature ermöglicht Ihnen den Vergleich eines gebooteten Systems mit dem Speicherauszug eines Systems, um effizient Änderungen zu analysieren, die möglicherweise durch eine Image-Migration verursacht wurden. Um einen Gast zu identifizieren, werden stsi- und stfle-Daten verwendet. Eine neue Funktion lgr_info_log() vergleicht die aktuellen Daten (lgr_info_cur) mit den zuletzt aufgezeichneten Daten (lgr_info_last).

Perf-Tool aktualisiert

Das perf-Tool wurde auf die Upstream-Version 3.6-rc7 aktualisiert, die zahlreiche Fehlerbehebungen und Verbesserungen implementiert. Nachfolgend sehen Sie eine Liste der nennenswerten Verbesserungen:
  • Unterstützung für Kprobe-Ereignisse wurde hinzugefügt.
  • Eine neue perf-Ereignis-Befehlszeilensyntax-Engine wurde integriert, die es ermöglicht, geschweifte Klammern ({ und }) zur Definition von Ereignisgruppen zu verwenden, zum Beispiel: {cycles,cache-misses}.
  • Der perf-annotierte Browser wurde erweitert, um die Navigation per ASM-Aufrufen und -Sprüngen zu erlauben.
  • Das perf-Tool wurde aktualisiert, um eine Ansicht pro Benutzer mit der neuen --uid-Befehlszeilenoption zu liefern. Mithilfe dieser Option kann perf Aufgaben nur für den angegebenen Benutzer anzeigen.
  • Das perf-Tool bietet nun eine größere Vielzahl automatisierter Tests.

Unterstützung für Uncore PMU

Der in Red Hat Enterprise Linux 6.4 enthaltene Kernel fügt "uncore" Performance Monitoring Unit (PMU) Unterstützung zum perf-Ereignisuntersystem für die Intel Xeon-Prozessor X55xx und die Intel Xeon-Prozessor X56xx Prozessorfamilien hinzu. "uncore" bezieht sich auf Untersysteme im physischen Prozessorpaket, die von mehreren Prozessorkernen, z.B. dem L3-Cache, gemeinsam verwendet werden. Mit uncore-PMU-Unterstützung können Performancedaten einfach auf Paketebene gesammelt werden.
PMU-Ereignisverarbeitung wurde ebenfalls aktiviert, um das Debugging via perf zu ermöglichen.

Verringerter memcg-Speicher-Overhead

Speicherkontrollgruppen pflegen ihre eigenen "Least Recently Used" (LRU) Listen, um beispielsweise Speicher wieder freizugeben. Diese Liste lag über der globalen LRU-Liste pro Zone. In Red Hat Enterprise Linux 6.4 wurde der Speicher-Overhead für memcg verringert, indem die globale LRU-Liste pro Zone deaktiviert wurde und deren Benutzer nun mit den cgroup-Listen pro Speicher arbeiten.

Speicherfreigabe und -verdichtung

Der in Red Hat Enterprise Linux 6.4 enthaltene Kernel verwendet Speicherfreigabe und -verdichtung für höherrangige Anforderungen oder unter hoher Speicherauslastung.

Unterstützung für die Transactional Execution Facility und Runtime Instrumentation Facility

Die Unterstützung für die Transactional-Execution Facility (verfügbar mit IBM zEnterprise EC12) im Linux-Kernel hilft dabei, Software-Locking-Overhead zu vermeiden, der sich auf die Leistung auswirken kann, und bietet verbesserte Skalierbarkeit und Parallelismus für höheren Transaktionsdurchsatz. Unterstützung für die Runtime Instrumentation Facility (verfügbar mit IBM zEnterprise EC12) bietet einen verbesserten Mechanismus zum Profilieren von Programmcode für verbesserte Analyse und Optimierung von Code, der von der neuen IBM JVM generiert wurde.

Fail-Open-Modus

Red Hat Enterprise Linux 6.4 implementiert Unterstützung für einen neuen Fail-Open-Modus bei der Verwendung von Netfilters NFQUEUE-Ziel. Dieser Modus ermöglicht es Benutzern, vorübergehend die Untersuchung von Paketen zu deaktivieren und so die Verbindungsfähigkeit unter hoher Netzwerkauslastung aufrechtzuerhalten.

kdump und kexec Kernel-Dumping-Mechanismus für IBM System z vollständig unterstützt

In Red Hat Enterprise Linux 6.4 wurde der kdump/kexec Kernel-Dumping-Mechanismus für IBM System z Systeme als vollständig unterstütztes Feature aktiviert, zusätzlich zu den IBM System z Stand-Alone und Hypervisor Dumping-Mechanismen. Die Auto-Reserve-Schwelle ist auf 4 GB festgelegt; somit ist auf einem IBM System z System mit mehr als 4 GB Speicher der kdump/kexec-Mechanismus aktiviert.
Es muss ausreichender Speicher verfügbar sein, da kdump standardmäßig etwa 128 MB reserviert. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn ein Upgrade auf Red Hat Enterprise Linux 6.4 durchgeführt wird. Zudem muss ausreichender Festplattenplatz verfügbar sein, um im Falle eines Systemabsturzes den Crash-Dump zu speichern.
Sie können kdump mittels /etc/kdump.conf, system-config-kdump oder firstboot aktivieren bzw. deaktivieren.

TSC-Deadline-Unterstützung für KVM

TSC-Deadline-Timer ist ein neuer Modus im Local APIC (LAPIC) Timer, der einmalige Timer-Interrupts basierend auf der TSC Deadline generiert, anstelle des aktuellen APIC-Systemuhrintervalls. Er bietet präzisere Timer-Interrupts (unter 1 Tick), zum Vorteil des Betriebssystem-Schedulers. KVM stellt dieses Feature nun Gästen zur Verfügung.

Persistente Gerätebenennung

Dieses Feature speichert die Zuordnung von Gerätenamen (z.B. sda, sdb etc.) und persistente Gerätenamen (bereitgestellt durch udev in /dev/disk/by-*/) in Kernel-Meldungen. Dies ermöglicht es Benutzern, ein Gerät anhand der Kernel-Meldungen zu identifizieren. Das Kernel-Protokoll /dev/kmsg, das mithilfe des dmesg-Befehls angezeigt werden kann, zeigt nun die Meldungen für die symbolischen Links, die udev für Kernel-Geräte erzeugt hat. Diese Meldungen werden im folgenden Format dargestellt:
udev-alias: <Geräte_Name> (<Symbolischer_Link> <Symbolischer Link> …)
Jedes beliebige Tool zur Protokollanalyse kann diese Meldungen anzeigen, die auch in /var/log/messages durch syslog gespeichert werden.

Neues linuxptp-Paket

Das linuxptp-Paket, das in Red Hat Enterprise Linux 6.4 als Technologievorschau enthalten ist, ist eine Implementierung des Precision Time Protocol (PTP) gemäß dem IEEE-Standard 1588 für Linux. Dabei wird ein doppeltes Entwicklungsziel verfolgt: die Entwicklung einer robusten Implementierung des Standards sowie der Einsatz der relevantesten und modernsten Programmierschnittstellen (APIs) des Linux-Kernels. Die Unterstützung von veralteten APIs und anderen Plattformen ist dagegen kein Entwicklungsziel.

Dokumentation für transparente Hugepages

Dokumentation für transparente Hugepages steht nun in der folgenden Datei zur Verfügung:
/usr/share/doc/kernel-doc-<version>/Documentation/vm/transhuge.txt

Status der Unterstützung von Dump-Zielen

In Red Hat Enterprise Linux 6.4 enthält die /usr/share/doc/kexec-tools-2.0.0/kexec-kdump-howto.txt-Datei eine umfassende Liste mit unterstützten, nicht unterstützten und unbekannten Dump-Zielen im Abschnitt »Dump Target support status«.